Thölkes Hus

von 1808


Hofschafstall

von 1690


Hofscheune

von 1880


Speicher

von 1780


Hofbrunnen

von 1735

Thölkes

Hus

„Wo einst Napoleons Soldaten wohnten“

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Die Katze hinterließ ihre Pfotenspuren


Familie Klencke saniert seit zwei Jahren Thölkes Hus von 1808 in Höperhöfen


HÖPERHÖFEN - von Thomas Hartmann.  Die Spur, die die Katze auf der mehr als 100 Jahre alten Bodenfliese für ein Landhaus in der Champagne zurückgelassen hat, ist jetzt in Höperhöfen in der Damentoilette auf der Diele von Thölkes Hus zu entdecken. Silke und Klaus Klencke hatten sie für die Restaurierung des denkmalgeschützten Zwei-Ständer-Hauses im Internet ersteigert. Napoleon, derzeit der einzige Bewohner des Hauses, stört sich nicht an der Hinterlassenschaft seines Artgenossen im Bodenbelag. Der schwarze Kater, der immer auf der Suche nach Futter ist, auch wenn er sehr wohlgenährt aussieht, gehört zum Inventar.

Er wurde von den Klenckes mit übernommen, als sie das Haus vor gut zwei Jahren gegen sechs Hektar Land eingetauscht haben.

Thölkes Hus von 1808 in Höperhöfen wurde aufwendig restauriert                                      Fotos: Hartmann

„Wo einst Napoleons Soldaten wohnten“, steht auf dem Flyer, den die Besitzer als Informationsblatt für ihr Haus entworfen haben. Und damit übertreiben sie nicht, denn Dokumenten aus dem Sekretär, der nach der Übernahme des Gebäudes beim Ausräumen so einige Schätze zu Tage förderte, ist zu entnehmen, dass 1813, sieben Jahre nach dem Bau des Hauses, tatsächlich erst die französischen und dann die russischen Soldaten das Haus besetzt hatten. Die wechselvolle Geschichte hat noch mehr Kuriositäten zu bieten: Die 1878 gegründete selbstständige evangelisch-lutherische Kirche (Selk) hat dort bis 1910 Gottesdienste abgehalten. 1930 übernahm Wilhelm Thölke, der Vater der letzten Bewohnerin Marianne Thölke, den Hof, auf dem nach dem Zweiten Weltkrieg zwei Flüchtlingsfamilien aus Ostpreußen und Berlin Unterschlupf fanden.

Marianne Thölke lebt mit ihren 85 Jahren heute in einem Seniorenheim, kommt aber regelmäßig nach Höperhöfen, um mitzuverfolgen, wie ihrem Haus neues Leben eingehaucht wird. Ohne Badezimmer und Toilette im Haus, durch dessen Strohdach es an verschiedenen Stellen hereinregnete, war es für sie beschwerlich geworden, dort wohnen zu bleiben. Und nachdem zunächst viele Interessenten mit hochfliegenden Träumen auf der Matte standen, blieben am Ende doch die Nachbarn als einzig ernsthafte Bieter. „Da wollten Leute Millionen investieren, haben dann aber einen Rückzieher gemacht, als sie den Zustand genauer in Augenschein nahmen. Am Ende sind wir übriggeblieben. Ich kenne das Haus seit meiner Kindheit und konnte mir nicht vorstellen, dass es nicht mehr da steht“, sagt Klaus Klencke. Zusammen mit seiner Frau sieht er die Restaurierung gleichzeitig als Verpflichtung und Hobby an. „Wir wurden gewarnt, dass das finanziell ein Fass ohne Boden sei“, erinnert er sich. Und dennoch sind Klenkes mit dem vorgesehenen Budget, für das eine Eigentumswohnung hergegeben werden musste, ausgekommen. Dazu ging alles schneller, als gedacht.

„Das Dach war sehr schlecht. Und weil Stroheindeckung teuer und nicht auf Dauer haltbar gewesen wäre, haben wir die Genehmigung bekommen, ein Tonziegeldach aufzubringen. Allerdings mussten wir ohne Aufschieblinge auskommen“, erklärt der Besitzer. Diese Abflachungen der Dachneigung sollten nicht mehr erkennbar sein, weil auch bei der Strohvariante eine einheitliche Neigung gegeben gewesen sei. Das hieß, dass enorm viel ausgeglichen werden musste. Eine Arbeit, an die sich kaum jemand herantraute. „Mein Nachbar hat das dann aber übernommen“, freut sich Klenke. Die alten handgeschnittenen Eichen-Dachlatten bekamen übrigens eine neue Verwendung und bilden heute den Stakett-Zaun an der Straße.




Silke und Klaus Klenke mit Kater Napoleon auf dem Arm. Er ist derzeit der einzige Bewohner von Thölkes Hus. Ein Artgenosse von ihm hat vor mehr als 100 Jahren in Frankreich seinen Pfotenabdruck auf einer der Bodenfliesen hinterlassen

Die Einholung der verschiedenen Genehmigungen war ein Akt, den Klenke nach eigenen Angaben nicht ohne die Hilfe von Architektin Brigitte Haase geschafft hätte. Für Fassade, Dach, Boden- und Wohnbereich mussten vier verschiedene Anträge gestellt werden. Hinzu sei ein ganz normaler Bauantrag für die Umnutzung der Diele und den Einbau von zwei Toiletten gekommen.


Aber dann konnte es doch an die eigentliche Arbeit gehen: 9.000 alte Dachpfannen – fünf verschiedene Sorten wurden verwendet – mussten aufgebracht werden. „Das haben wir dank der Hilfe der Nachbarn an einem Tag geschafft. Der Dachdecker musste allerdings noch Tage danach jede einzelne Pfanne schneiden und platzieren. Da Balken, Fachwerk und Ausfachungen insgesamt noch in Ordnung waren, musste lediglich aufgefrischt werden. „Und wir haben alles mit Bremer Muschelkalk neu verfugt“, erklärt Klenke. Im Kuhstall wurde der Beton aus dem Boden geschlagen. Stattdessen wurden die 130 Jahre alten Klinkersteine aus dem zusammenbrechenden Schweinestall eingebaut. Darunter fanden eine Isolierschicht und eine Fußbodenheizung Platz. Darum musste auch der eigentlich noch gut erhaltene Fußboden in der gesamten Diele aufgenommen werden. Innen bekamen die Wände neuen Lehmputz – insgesamt 11.000 Kilogramm wurden verstrichen. Allerdings haben die Klenkes viele Fenster in die Vergangenheit erhalten. So sind die alten Malereien in der Toilette ebenso zu sehen wie die vermauerten Steine am Flett. Für die Isolierung der Außenwände waren Holzfaserdämmplatten verwendet worden, weil die wenig Platz erfordern.



Dort, wo früher die Feuerstelle für Wärme auf dem Flett sorgte, war vor etwa 100 Jahren durch einen Umbau der Wohnraum vergrößert worden. Ein Schritt, den Klaus Klenke nicht rückgängig machen konnte und wollte. „Auch das gehört zur Geschichte des Hauses“, sagt er. Aufwendig wird auch dieser Bereich jetzt saniert. Eichenparkett wird dort eingebracht, wo früher Schlaf- und Wohnzimmer waren. Die Holzbalken sind alle freigelegt und sichtbar. „Beim Abbürsten sind uns vier Winkelschleifer durchgebrannt“, erinnert sich der Bauherr. Und auch die Fenster machen noch eine Menge Arbeit, denn so viel als möglich soll erhalten bleiben. Manchmal war das nicht möglich. Klenke: „Die vier kleinen Fenster am Giebel und die fünf größeren an der Straßenseite hat das Autohaus Hesse anfertigen lassen und gestiftet. Daran sieht man, wie die Höperhöfener an diesem Haus hängen und helfen wollen, es zu erhalten“, freut sich Klenke.


Und die Pläne des Höperhöfeners sind noch nicht am Ende: Inzwischen hat er einen alten Speicher in Jeerhof gefunden, der auf dem Hofgrundstück eine neue Heimat bekommen soll. „Wenn alles klappt, wollen wir noch in diesem Jahr mit den Arbeiten anfangen“, sagt er.





Wer Thölkes Hus besichtigen möchte, hat dazu am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 13. September, Gelegenheit. Dann stehen die Türen zu dem Bauwerk allen Interessierten offen.

Außerdem gibt es demnächst kulturelle Veranstaltungen in Thölkes Hus und es kann auch für eigene Feste angemietet werden. Weitere Infos gibt es unter www.thoelkes.de.